Kandel ist ständig aber nicht überall!

Zumindest der zweite Teil der Überschrift sollte uns Mut machen, denn wäre Kandel überall, wären wir durch Behördenwillkür und extrem aggressives Verhalten der Polizei deutschlandweit dazu verdammt, Rechtsradikalen und verfassungsfeindlichen Organisationen den roten Teppich auszurollen.

Kandel, ein beschauliches und durchaus schönes Städtchen in der Südpfalz erlangte im Dezember letzen Jahres traurige Berühmtheit durch den Mord eines Jungen Mannes an seiner Freundin, einer hier wohnenden Jugendlichen. Wie es in der letzten Zeit immer häufiger zu beobachten ist, dauerte es leider nicht lange, bis Medien und die Parteien und Organistationen am rechten Rand die Nationalität und den Flüchtlingsstatus des Mörders immer präsenter aufzeigten bzw. im zweiten Fall immer mehr für ihre Zwecke ausschlachteten.
Es dauerte nicht lange bis ein bekannter und extremer Rechter, Marco Kurz, auf diesen traurigen Anlass aufmerksam wurde und diesen für seine Zwecke ausnutzte. Das neu gegründete “Frauenbündnis Kandel” organisierte seit dem Trauermärsche, Gedenkveranstaltungen und Ähnliches. Nach einigen kleineren Aktionen wurde es auf einmal gößer, zumal die AfD mit auf den Zug aufsprang. Auch wenn sich die Partei immer wieder wand, was offizielle Unterstützung angeht, so wurden doch die Demonstrationen immer wieder im Netz beworben.

Der 3.3.2018

Ich bin relativ spät in die Demos in Kandel eingestiegen, auch weil es nicht direkt ersichtlich war welche bedrohlichen Ausmaße die ganze Geschichte nimmt.
Meine erste Demo als Teilnehmer war am 3.3. und dort habe ich dann zum ersten Mal selbst erfahren/erlebt wie bezüglich der Teilnehmer mit zweierlei Maß gemessen wurde! Während die überschaubare Antifa Demo mit Polizeischutz der KKA Demo zugeführt wurde fanden die Attacken in der Hauptstraße statt. Während wir unter Polizeischutz warten mussten nach Hause gehen zu dürfen, haben sich die Teilnehmer der rechten Demo frei rund um den Kreisel bewegt und wurden sogar teilweise auf unsere Demo gelassen, sobald sie auch nur ein Handy zum Filmen hatten! Kurz danach kam es ja dann im Zug zu der zweiten Körperverletzung des Tages.

Demo Nummer 2

Am 24.3. war ich auch dabei und von Beginn an war das Verhalten der Polizei an Provokation nicht zu überbieten. Da wurden Menschen gewaltsam an Blockadeversuchen gehindert, es gab realtiv schnell einen Kessel der erst nach und nach gelockert wurde, damit wir alle ungehindert mit der WsK Demo mitlaufen konnten. Ich war zu keiner Zeit da im Kessel, weil ich mit die WsK Reden angehört habe. Wir haben uns dann relativ weit hinten in die Demo eingereit, wir wollten ja noch zu der angemeldeten Demo der KKA. Hier dann schon die erste Unsicherheit. Die Polizei hatte hinter uns alles abgeriegelt, so dass es direkte klar war, dass man sich nicht so einfach in Richtung dritter Demo bewegen konnte. Als dann der Zeitpunkt näher kam, haben wir versucht nach hinten raus zu kommen, was uns direkt verweigert wurde. Selbst die Beamtin mit der ich sprach gab an, nichts von einer weiteren Demo zu wissen. Erst nach ein paar Rückfragen, wurde uns langsam der Weg freigemacht.
Da zu diesem Zeitpunkt bekannt wurde, dass die rechte Demo schon losgelaufen war, fingen manche an, Richtung KKA-Demo zu rennen… Parallel zu der rechten Demo aber WEIT DAVOR. Niemand machte den Versuch in Richtung Hauptstraße zu kommen! Trotzdem kamen jetzt zum ersten Mal die Knüppel zum Einsatz und es wurden neutrale Passanten einfach aus dem Weg gestoßen oder über den Haufen gerannt. Kurz vor der Kurve zur KKA Demo kam es zur ersten Blockade der Polizei, wahscheinlich mit dem Ziel uns in einem Block zu halten. danach durften wir in die Bahnhofsstraße einbiegen, aber wurden ca. 50m vor der Demo angehalten – wegen Durchbruchsversuch! 50m vor der KKA-Demo, die 75m vor der Hauptstraße duch 2 Busse abgetrennt war! Der Rest ist glaube ich bekannt. Direkt hinter mir haben Leute was aus den Rucksäcken geholt, nachdem wir dann endlich zu den Bussen vorrücken konnten und es flogen Böller! Ich hab 3 gezählt und keiner davon wurde auf die Polizisten geworfen. Da ich wusste, was folgt, haben meine Freundin und ich uns links aus dem Block heraus gerettet. So habe ich von dem Block nur am Rande was gesehen, die Attacken der Polizisten am Ende des Blocks haben wir nicht sehen können!

Jetzt zum 7.4….

Da klar war, dass es am 7.4. wieder eine Demo durch Herrn Kurz geben würde, habe ich mich dieses Mal entschieden selbst eine eine Demo anzumelden. Geplant war, diese direkt neben dem Marktplatz mit der rechten Demo starten zu lassen und dann diese mit der Demoroute zu umrunden!

Schon beim Koopoerationsgespräch am 3.4. war klar, dass man alles daran setzen würde uns klein zu halten und uns zu behindern! Die ersten Sätze waren “Herr Reinemuth, sie können nicht auf die Hauptstraße. Das ist nach den Vorfällen vom 24.3. nicht möglich, da gewaltbereite Teilnehmer erwartet werden!” Mein Hinweis darauf, dass die einzige Gewalttat auf der Hauptstraße am 3.3. durch Teilnehmer der anderen Demo begangen wurden, wurde mit Lachen, Nuscheln und leeren Blicken quittiert! Uns wurden wieder nur Seitenstraßen angeboten aber erstaunlicherweise ging man darauf ein, die Sicht- und Hörweite dieses Mal mit max. 30m Abstand zu gewährleisten. Im Nachhinein denke ich dass der Plan von Anfang an war, eine große Anzahl von Teilnehmern am Erreichen der Demo zu hindern! Uns wurde auch klar gesagt, dass Herr Kurz ja früher war und man deswegen seine Demo bevorzugt behandeln würde.
Am Tag der Demo wurden immer wieder Teilnehmer der rechten Demo durch unseren Versammlungsplatz geleitet, obwohl es genug andere Wege gäbe! Diese durften auch ohne Probleme durch die Polizeiabsperrung, es wurde sogar etwas gescherzt und gelacht seitens dieser Teilnehmer und der Beamten! Ein Schlag ins Gesicht jedes unserer Teilnehmer und Provokation pur! Teilnehmer unserer Demo wurden daran gehindert, auch einzeln, auf die Hauptstraße zu gelangen! Nur gegen Ausweiskontrolle solle dies möglich sein! Dies ist umso absurder, als man seitens der Behörde und der Polizei die Tatsache der Anwesenheit der rechten Demoteilnehmer am Saubrunnen damit begründete, dass unsere Demo ja noch nicht eröffnet sei, aber zeitgleich Menschen die dort standen nicht auf die Hauptstraße lies, obwohl es ja NOCH keine Demo gab!
Über den Verlauf der Demo kann ich zunächst nichts Negatives berichten! Es gab weder Böller noch sonstige Probleme. Angesichts der Dinge die zeitgleich in Wörth abliefen, auch kein Wunder wie entspannt die Beamten doch waren, hatten sie ja einen Großteil der vermeintlichen Straftäter festgesetzt und von Kandel ferngehalten!

Die Mahnwachen und Spontankundgebungen

Geplant war, zeitgleich zur Demo, die ja in die Seitenstraßen abgeschoben wurde, weiter Mahnwachen entlang der “Kurzen” Demo anzumelden. Dies geschah kurzfristig 48h vor Beginn am 5.4.! Kooperationsgespräche wurden nicht wahrgenommen. Am Tag vor der Demo kam die Antwort der Verwaltung, dass ALLE Mahnwachen nördlich der Hauptstraße an den Bahnhof verlegt werden! 2km von der Demo entfernt! Diese Anmeldungen wurden daraufhin zurückgezogen, da dort zu demonstrieren einfach keinen Sinn ergibt, siehe die große bürgerliche Demo am 24.3. und eben am Bahnhof. Diese hatte auch keinerlei Auswirkung auf die Anmeldungen der Rechten die danach kamen! Am eigentlichen Tag angemeldete Spontandemos wurden direkt verboten und teilweise durch Platzverweise aufgelöst! Danke Frau G.!

Am Ende noch mehr Willkür

Die nächsten negativen Dinge kamen nach dem Auflösen der Demo am Ende und nachdem wir dann an den Bahnhof liefen um dort die Mahnwache zu unterstützen. Wir kamen zu dem Zeitpunkt an als die KKA gerade die Spontananmeldung einer Demo gegen die Repressionen machte. Frau G. von der KV Germersheim war vor Ort und war sichtlich genervt. Da wir stundenlang in der prallen Sonne waren und es am Bahnhof nur wenig Schatten gab, wurde mit der Polizei ausgemacht, dass wir alle uns auf den Bahnhofsvorplatz in den Schatten begeben würden. Frau G. stellte sich uns in den Weg und bekundete lautstark, dass sie dass auf keinen Fall genehmigen würde! Sie wurde sehr patzig, teilweise auch beleidigend und aggressiv als ein Teilnehmer mit einem Sauerstoffgerät von ihr wissen wollte, warum! Laut ihrer Aussage seien wir ja alle “aggressive gewaltbereite Demonstanten”! Erst ein Polizist lies uns dann entgegen Frau G.s Aussagen in den Schatten!
Es gab mehrere Aussagen an diesem Tag, die bedenklich sind: So haben Kandeler Bürger z.b. versucht die nächste Demo am 5.5. durch die Anmeldung eines Flohmarkts zu verhindern. Frau G. meinte Wortwörtlich zu denen “Egal was sie da anmelden wollen, wir werden es eh nicht genehmigen”!  Ja so sieht es aus, wenn sich Behörden neutral verhalten.

Der Teilnehmer mit dem Sauerstoffgerät hat schon mit Landrat Brechtel telefoniert und um ein persönliches Gespräch mit ihm, Frau G. und weiteren Zeugen gebeten! Eine geforderte Entschuldigung von Frau G. ist bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht erfolgt.

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