Systemd – getestet, geflucht, gelöscht

Da isses nun, das ach so dolle Systemd-Monster… Lange Zeit hab ich mich diesem Molloch verweigert, nicht zuletzt weil ich KDE-User bin und deswegen auch nicht direkt von der blödsinnigen Gängelung der Gnome-Fraktion betroffen war. Wer kommt eigentlich auf die schwachsinnige Idee, man müsse eine Oberfläche an ein Init-System binden? Was kommt als nächstes? Systemd in den Kernel? Dazu gleich noch monolitisch Wayland rein und wir haben ein undurchsichtiges Monster a la Windows oder OSX!

Aber, da ich immer neugierig bin, hab ich mir das Ganze doch mal angetan, also fix unter meinem gentoo das “systemd” USE-Flag gesetzt und die betroffenen Pakete nochmal durchkompiliert. Um auch mal über den Tellerrand zu blicken, glaich noch Gnome3 hinterher und nach ca. 1h hatte ich ein fertiges System… Naja, fast fertig… Was nicht ging: Netzwerk allgemein! Also erstmal auf dem Handy parallel gegoogelt, wie man denn nun das Netzwerk mit ner statischen IP  hinbekäme… Antwort: Unter Systemd erstmal gar nicht! Man braucht diverse Helper, z.B. das aus den Archlinux-Sphären stammende netctl, oder Networkmanager… Letzteres ist auch so etwas, was ich nie benötigte, denn ich nutze zuhause statische IPs, warum sollte ich also den ganzen Overhead mitschleppen, wenn eine simple Config-Datei ihren Zweck auch erfüllt? Langer Rede, kurzer Sinn: Ich kam nicht ohne Networkmanager zum Ziel!

Ok, nach gefühlten Stunden also endlich wieder online! Das hilft, um die ganzen anderen Klippen zu umschiffen, Startscripte für z.B. nginx, elasticsearch etc. zu bauen und nach einem Tag dann wieder ein funktionierendes System zu haben. Naja auch hier wieder fast: Es ist einfach nicht möglich, die NFS-Shares meines NAS beim Booten zu mounten. Und zwar weil der Mount versucht wird BEVOR das Netzwerk funktional ist!? Logik wo bist du?

Dann aber mal kurz das Positive: Der Rechner startet in Sekunden bis zum grafischen Login, der Shutdown dauert ca. 2 Sekunden. Und gleich wieder das Ganze relativiert: Ich fahre meinen Rechner morgens hoch, abends runter… Mir ist es erstmal schnuppe, ob ich 2 oder 10 Sekunden warte, bis ich mich einloggen kann. Zumal Windowsuser bei solchen Zeiten eh feuchte Höschen bekämen!

Es bleibt ein fader Nachgeschmack: Irgendwie ist das Ganze unübersichtlich… Mir kann doch keiner erzählen, dass man eine Systemd-Datei einfacher lesen kann, als z.B. eine simple OpenRC-Datei? Bei letzterer genügt ein simples “needs xyz” um Abhängigkeiten zu realisieren. Und vielleicht möchte ich nicht, dass Services permanent restartet werden, falls diese abschmieren, denn das hat im Allgemeinen einen Grund! Weiterhin ist es auch ein Unding, einen Logger mitzubundeln! metalog ist für meine Zwecke vollkommen ausreichend und mit Abstand besser strukturiert als journald!

Fazit: Nettes Experiment, welches mich zum Schluss brachte, dass ich Systemd nicht brauche! Auch nicht in ein paar Monaten oder Jahren. Von Gnome will ich jetzt mal garnicht anfangen!